Der gemeinsame Gemeindebrief der Ev. Kirchengemeinde Bad Kreuznach und der Matthäus Kirchengemeinde Bad Kreuznach
aktuelle Ausgabe : Mai bis August 2026

Ein Herz und eine Seele –
So lautet ein Sprichwort, das wir gern verwenden, wenn sich Kinder oder Erwachsene sehr gut verstehen. Die wenigsten von uns wissen aber, dass dieses Sprichwort seinen Ursprung in der Bibel hat.So heißt es in der Apostelgeschichte zur ersten Christengemeinde „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam.“ Unter dem Eindruck der Auferstehung Jesu fühlten alle Gläubigen, welche Gnade Gott ihnen damit geschenkt hatte. Sie wollten sich dieser Gnade würdig erweisen und eine starke, solidarische Gemeinschaft begründen. Als ein Herz und eine Seele haben sie nicht nur ihren Glauben, ihr Seelenheil, geteilt,sondern sie haben auch ihr Herz, ihr gemeinsames Wohlergehen, verantwortet. Sie wurden einander „ein Herz und eine Seele“.
In unseren wechselvollen Zeiten heute gerät auch unsere christliche Kirche, unsere Gemeinschaft in einigeTurbulenzen.Manchmal sind wir gerade nicht ein Herz und eine Seele. Wie soll das auch gehen, wo wir alle doch so verschieden sind? Natürlich sind wir mit unterschiedlichen Eigenschaften, einem eigenen Temperament, einem eigenen Charakter und Schwächen und Stärken ausgestattet. Aber eins haben wir alle gemeinsam: Wir sind vom selben Gott geschaffen und durch die Auferstehung Jesu Christi zum ewigen Leben befreit. Durch Gott sind wir ein Herz und eine Seele. Wenn wir also durch alle Unterschiedlichkeiten hindurch auf das sehen, was Gott an unserem Gegenüber liebt, dann können wir uns als christliche Gemeinschaft auch wahrnehmen.
Wir müssen uns dabei aber auch nicht alle ständig mögen. Das wäre wirklich ein bisschen viel verlangt, finden Sie nicht auch? Manchmal sind wir sauer, genervt oder jemand geht uns mächtig
auf den Wecker. Manchmal verletzen uns Menschen sogar. Wichtig ist aber nur, dass wir keine Gräben zwischen uns wachsen lassen, selbst wenn uns jemand zur „Weißglut“ bringt. Es ist an uns, immer wieder Frieden untereinander zu stiften. Im Mittelalter wurden Werkzeuge im temperierten roten Feuer geschmiedet. Nur Waffen wurden im weißglühenden Feuer mit viel höheren Temraturen geschmiedet. Wir sollten untereinander keine Schwerter schmieden, sondern Löffel und Gabeln, Nähnadeln und Nägel für Kleidung und neue Häuser. In einer Zeit, in der individuelle Bedürfnisse größer geschrieben werden als das Leben in einer harmonischen Gemeinschaft, sind wir stärker denn je gefordert, das Gebot der Nächstenliebe auch vorzuleben. Wenn man so will, ist die Nächstenliebe unser Alleinstellungsmerkmal. Es lohnt sich also, sich darum zu bemühen, untereinander „ein Herz und eine Seele“ zu sein.
Ahima Beerlage (auch Foto)
